Gesetzliche Erbfolge: Wer erbt ohne Testament? Quoten & Steuer

13. April 2025

Ohne Testament oder Erbvertrag gilt die gesetzliche Erbfolge nach den §§ 1924 bis 1936 BGB: Zuerst erben die Kinder und Enkel (1. Ordnung), erst wenn es keine gibt, die Eltern und Geschwister (2. Ordnung), danach Großeltern, Onkel und Tanten (3. Ordnung). Daneben erbt der Ehegatte nach § 1931 BGB – im Regelfall der Zugewinngemeinschaft neben Kindern die Hälfte, neben Eltern oder Geschwistern drei Viertel. Nichteheliche Lebenspartner haben kein gesetzliches Erbrecht.

Aktualisiert am 3. November 2026

Wann gilt die gesetzliche Erbfolge?

Die gesetzliche Erbfolge greift immer dann, wenn der Verstorbene (der Erblasser) kein wirksames Testament und keinen Erbvertrag hinterlassen hat. Sie gilt auch, soweit ein Testament nur einen Teil des Vermögens regelt oder unwirksam ist, und wenn alle eingesetzten Erben die Erbschaft ausschlagen – dann allerdings nur, soweit das Testament keine Ersatzerben bestimmt (§§ 2096, 2069 BGB) und keine Anwachsung bei den übrigen eingesetzten Erben eintritt (§ 2094 BGB). Geregelt ist sie im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB), vor allem in den §§ 1924 bis 1936 BGB.

Das Gesetz folgt einer einfachen Grundidee: Das Vermögen soll in der Familie bleiben, und zwar zuerst bei den engsten Verwandten. Verwandte werden dazu in sogenannte Ordnungen eingeteilt. Neben den Verwandten hat der Ehegatte oder eingetragene Lebenspartner ein eigenes Erbrecht.

Die gesetzliche Erbfolge nach Ordnungen

Für die gesetzliche Erbfolge gilt nach § 1930 BGB: Solange auch nur ein Verwandter einer vorrangigen Ordnung lebt, erben Verwandte nachfolgender Ordnungen nichts. Sind Kinder vorhanden, gehen Eltern und Geschwister des Erblassers also leer aus.

Innerhalb der ersten drei Ordnungen gilt zudem das Stammesprinzip: Jeder Erbe bildet mit seinen Nachkommen einen „Stamm“. Ist ein Erbe vorverstorben, treten seine Abkömmlinge an seine Stelle und teilen sich seinen Anteil (Eintrittsrecht).

Erben erster Ordnung (§ 1924 BGB): Kinder, Enkel, Urenkel

Zur ersten Ordnung gehören die Abkömmlinge des Erblassers – Kinder, Enkel und Urenkel. Eheliche, nichteheliche und adoptierte Kinder sind gleichgestellt. Kinder erben zu gleichen Teilen. Ein lebendes Kind schließt seine eigenen Kinder von der Erbfolge aus.

  • Der Erblasser hinterlässt zwei Kinder und keinen Ehegatten: Jedes Kind erbt die Hälfte.
  • Ist eines der beiden Kinder vorverstorben und hat selbst zwei Kinder, erben diese Enkel dessen Hälfte zu gleichen Teilen, also je ein Viertel.

Erben zweiter Ordnung (§ 1925 BGB): Eltern und Geschwister

Hinterlässt der Erblasser keine Abkömmlinge, erben die Eltern und deren Abkömmlinge. Leben beide Eltern, erben sie allein und zu gleichen Teilen. Ist ein Elternteil vorverstorben, treten dessen Abkömmlinge – also die Geschwister oder Halbgeschwister des Erblassers, ersatzweise Nichten und Neffen – an seine Stelle. Hat der vorverstorbene Elternteil keine weiteren Abkömmlinge, erbt der überlebende Elternteil allein.

Erben dritter Ordnung (§ 1926 BGB): Großeltern, Onkel, Tanten, Cousins

Gibt es weder Erben der ersten noch der zweiten Ordnung, erben die Großeltern und deren Abkömmlinge. Leben alle Großeltern, erben sie zu gleichen Teilen. An die Stelle eines vorverstorbenen Großelternteils treten seine Abkömmlinge, also Onkel und Tanten des Erblassers, ersatzweise Cousins und Cousinen.

Vierte und fernere Ordnungen (§§ 1928, 1929 BGB)

Zur vierten Ordnung gehören die Urgroßeltern und deren Abkömmlinge, zu den ferneren Ordnungen noch entferntere Vorfahren und deren Nachkommen. Ab der vierten Ordnung gilt nicht mehr das Stammesprinzip: Leben Urgroßeltern, erben sie allein; sonst erbt der Verwandte, der dem Erblasser dem Grad nach am nächsten steht.

Wann erbt der Staat? (§ 1936 BGB)

Ist beim Erbfall kein Verwandter, Ehegatte oder Lebenspartner vorhanden, erbt nach § 1936 BGB das Bundesland, in dem der Erblasser zuletzt seinen Wohnsitz hatte – bei einem Münchner Erblasser also der Freistaat Bayern. Das gilt praktisch auch, wenn alle Erben die Erbschaft ausgeschlagen haben. Der Staat kann als gesetzlicher Erbe nicht ausschlagen, haftet für Schulden des Erblassers aber nur mit dem Nachlass, nicht mit eigenem Vermögen.

Erbrecht des Ehegatten neben Kindern: § 1931 BGB

Der Ehegatte erbt nach § 1931 Abs. 1 BGB neben Verwandten der ersten Ordnung ein Viertel, neben Verwandten der zweiten Ordnung oder neben Großeltern die Hälfte. Sind weder Verwandte der ersten oder zweiten Ordnung noch Großeltern vorhanden, erhält er die ganze Erbschaft (§ 1931 Abs. 2 BGB). Dasselbe gilt für eingetragene Lebenspartner (§ 10 LPartG).

Wie hoch die Erbquote des Ehegatten am Ende tatsächlich ist, hängt zusätzlich vom Güterstand ab – also davon, wie die Vermögen der Eheleute rechtlich geordnet waren.

Zugewinngemeinschaft: Erbquote plus ein Viertel (§ 1371 BGB)

Die Zugewinngemeinschaft ist der gesetzliche Güterstand und gilt, wenn die Eheleute keinen Ehevertrag geschlossen haben. Endet sie durch Tod, erhöht sich der gesetzliche Erbteil des überlebenden Ehegatten nach § 1371 Abs. 1 BGB pauschal um ein Viertel der Erbschaft. Ob während der Ehe tatsächlich ein Zugewinn entstanden ist, spielt dafür keine Rolle. Neben Kindern erbt der Ehegatte daher insgesamt die Hälfte, neben Eltern, Geschwistern oder Großeltern drei Viertel.

Schlägt der Ehegatte die Erbschaft aus (§ 1371 Abs. 3 BGB) oder wird er durch Testament weder Erbe noch Vermächtnisnehmer (§ 1371 Abs. 2 BGB), kann er den konkret berechneten Zugewinnausgleich und zusätzlich den sogenannten kleinen Pflichtteil verlangen. Dieser bemisst sich nach dem nicht erhöhten Erbteil und beträgt neben Kindern daher nur ein Achtel statt ein Viertel des Nachlasses. Diese güterrechtliche Lösung kann im Einzelfall günstiger sein, vor allem bei einem hohen Zugewinn des Verstorbenen, und sollte vor einer Ausschlagung genau durchgerechnet werden.

Gütertrennung: gleiche Teile mit ein oder zwei Kindern (§ 1931 Abs. 4 BGB)

Haben die Eheleute per Ehevertrag Gütertrennung vereinbart, entfällt das zusätzliche Viertel. Damit der Ehegatte neben wenigen Kindern nicht schlechter steht als ein Kind, gilt § 1931 Abs. 4 BGB: Sind ein oder zwei Kinder gesetzliche Erben, erben Ehegatte und jedes Kind zu gleichen Teilen. Bei einem Kind sind das je die Hälfte, bei zwei Kindern je ein Drittel. Ab drei Kindern bleibt es beim Viertel nach § 1931 Abs. 1 BGB.

Gütergemeinschaft

Bei der selten vereinbarten Gütergemeinschaft gelten die Quoten des § 1931 Abs. 1 und 2 BGB ohne Erhöhung: neben Kindern ein Viertel, neben der zweiten Ordnung oder Großeltern die Hälfte. Zu beachten ist, dass dem überlebenden Ehegatten die Hälfte des gemeinsamen Gesamtguts ohnehin bereits gehört; vererbt wird nur der Anteil des Verstorbenen.

Erbquote des Ehegatten im Überblick

Güterstand neben Kindern / Enkeln (1. Ordnung) neben Eltern, Geschwistern (2. Ordnung) oder Großeltern keine solchen Verwandten
Zugewinngemeinschaft (§§ 1931, 1371 BGB) 1/2 (1/4 + 1/4) 3/4 (1/2 + 1/4) alles
Gütertrennung (§ 1931 Abs. 4 BGB) 1 Kind: 1/2; 2 Kinder: je 1/3; ab 3 Kindern: 1/4 1/2 alles
Gütergemeinschaft (§ 1931 Abs. 1, 2 BGB) 1/4 1/2 alles

Leben neben dem Ehegatten nur noch einzelne Großeltern und würden an Stelle eines vorverstorbenen Großelternteils dessen Abkömmlinge erben, erhält der Ehegatte nach § 1931 Abs. 1 Satz 2 BGB auch diesen Anteil. Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen erben neben einem Ehegatten also nicht.

Das Erbrecht des Ehegatten entfällt nach § 1933 BGB bereits vor der Scheidung, wenn beim Tod die Voraussetzungen der Scheidung vorlagen und der Erblasser die Scheidung beantragt oder ihr zugestimmt hatte.

Beispiele: Wer erbt ohne Testament wie viel?

  1. Ehepaar mit zwei Kindern. Der Ehemann stirbt ohne Testament, der Nachlass beträgt 1.200.000 Euro. In der Zugewinngemeinschaft erbt die Ehefrau die Hälfte (600.000 Euro), jedes Kind ein Viertel (je 300.000 Euro). Hätten die Eheleute Gütertrennung vereinbart, erbten Ehefrau und Kinder je ein Drittel (je 400.000 Euro).
  2. Kinderloses Ehepaar. Die Ehefrau stirbt ohne Testament, der Nachlass beträgt 600.000 Euro, ihre Eltern leben noch. In der Zugewinngemeinschaft erbt der Ehemann drei Viertel (450.000 Euro), jeder Elternteil ein Achtel (je 75.000 Euro). Sind beide Eltern vorverstorben und hinterlässt die Ehefrau zwei Geschwister, erben diese das Viertel der Eltern, also je 75.000 Euro. Gäbe es weder Eltern noch Geschwister, Nichten, Neffen oder Großeltern, erbte der Ehemann allein.
  3. Nichteheliche Lebensgemeinschaft. Ein Paar lebt seit 15 Jahren unverheiratet zusammen. Der Partner stirbt ohne Testament und hinterlässt 400.000 Euro, keine Kinder, keine Eltern, aber einen Bruder. Der Bruder erbt als Erbe der zweiten Ordnung alles, die Lebensgefährtin erhält nichts – auch keinen Pflichtteil. Absichern lässt sich ein Lebensgefährte nur durch Testament, Erbvertrag oder lebzeitige Gestaltungen.

Gesetzliche Erbfolge und Erbschaftsteuer: Was bedeutet sie steuerlich?

Die gesetzliche Erbfolge bestimmt, wer wie viel erbt – die Erbschaftsteuer knüpft daran an. Jeder Erbe versteuert seinen eigenen Erwerb und erhält einen persönlichen Freibetrag nach § 16 ErbStG, der vom Verwandtschaftsverhältnis abhängt. Freibeträge gelten je Erwerber und für alle Erwerbe von derselben Person innerhalb von zehn Jahren zusammen (§ 14 ErbStG).

Erwerber Steuerklasse Freibetrag (§ 16 Abs. 1 ErbStG)
Ehegatte, eingetragener Lebenspartner I 500.000 Euro
Kinder, Stiefkinder, Kinder verstorbener Kinder I 400.000 Euro
Enkel (Eltern leben noch) I 200.000 Euro
Übrige Personen der Steuerklasse I, z. B. Urenkel, Eltern und Großeltern bei Erwerb von Todes wegen I 100.000 Euro
Geschwister, Nichten, Neffen, Eltern bei Schenkungen II 20.000 Euro
Alle übrigen Erwerber, z. B. Lebensgefährten III 20.000 Euro

Die Tabelle gilt für unbeschränkt Steuerpflichtige; Stand der Freibeträge: Oktober 2026. Ehegatten und Kinder können zusätzlich einen besonderen Versorgungsfreibetrag nach § 17 ErbStG erhalten, beim Ehegatten 256.000 Euro. Er wird um den Kapitalwert erbschaftsteuerfreier Versorgungsbezüge wie einer Witwenrente gekürzt. Wie hoch die Steuer auf den Betrag oberhalb der Freibeträge ausfällt, regelt § 19 ErbStG; Einzelheiten zeigt unser Beitrag Wie hoch ist die Erbschaftssteuer?.

Was heißt das für die Beispiele?

Im ersten Beispiel bleiben die Kinder mit je 300.000 Euro unter ihrem Freibetrag von 400.000 Euro. Bei der Ehefrau übersteigt der Erbteil von 600.000 Euro den Freibetrag von 500.000 Euro zunächst. Steuerfrei bleibt in der Zugewinngemeinschaft jedoch nach § 5 Abs. 1 ErbStG der Betrag, den sie als Zugewinnausgleich hätte verlangen können – berechnet nach dem tatsächlichen Zugewinn, nicht nach dem pauschalen Viertel. Hinzu kommen gegebenenfalls der Versorgungsfreibetrag und die Steuerbefreiung für ein selbst genutztes Familienheim (§ 13 Abs. 1 Nr. 4b ErbStG). Diese Befreiung entfällt rückwirkend, wenn der Ehegatte das Familienheim innerhalb von zehn Jahren nicht mehr selbst zu Wohnzwecken nutzt, es sei denn, zwingende Gründe hindern ihn daran. Bei Gütertrennung bleiben Ehefrau und Kinder mit je 400.000 Euro innerhalb ihrer Freibeträge, sofern keine Schenkungen des Erblassers aus den letzten zehn Jahren anzurechnen sind (§ 14 ErbStG) und der steuerliche Wert des Nachlasses dem angenommenen Wert entspricht; die Kinder liegen damit genau auf ihrem Freibetrag.

Im zweiten Beispiel erhalten die Eltern als Erben von Todes wegen je 100.000 Euro Freibetrag; ihre 75.000 Euro bleiben steuerfrei. Erben stattdessen die Geschwister, gilt Steuerklasse II mit nur 20.000 Euro Freibetrag – je 55.000 Euro wären zu versteuern. Im dritten Beispiel zeigt sich die steuerliche Schwäche der nichtehelichen Lebensgemeinschaft doppelt: kein gesetzliches Erbrecht und selbst bei einem Testament nur 20.000 Euro Freibetrag in Steuerklasse III.

Mehr zu den Unterschieden der Güterstände bei der Steuer lesen Sie in unserem Beitrag Güterstand und Erbschaftssteuer bei Ehegatten.

Anhängiges Verfahren beim Bundesverfassungsgericht

Die Höhe der Freibeträge ist derzeit Gegenstand eines Verfahrens beim Bundesverfassungsgericht (Az. 1 BvF 1/23). Die Bayerische Staatsregierung hat 2023 eine abstrakte Normenkontrolle gegen § 12 Abs. 3, § 16 Abs. 1 und § 19 Abs. 1 ErbStG beantragt. Sie hält die Regelungen für formell verfassungswidrig, weil eine bundeseinheitliche Regelung nicht erforderlich sei (Art. 72 Abs. 2 GG), und strebt eine Öffnungsklausel für die Länder an, und für materiell verfassungswidrig, weil Freibeträge und Steuersätze nicht an die Preissteigerung angepasst worden seien und regionale Unterschiede der Immobilienpreise nicht berücksichtigten. Die mündliche Verhandlung fand am 12. Oktober 2026 statt; am 13. Oktober 2026 folgte ein weiteres Verfahren zur Verschonung von Betriebsvermögen (1 BvR 804/22). Eine Entscheidung steht noch aus, ein Verkündungstermin ist nicht bekannt (Stand: 3. November 2026). Bis dahin gelten die oben genannten Freibeträge unverändert.

Pflichtteil, Enterbung und Erbunwürdigkeit

Wer durch Testament von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen wird, kann Anspruch auf den Pflichtteil haben. Pflichtteilsberechtigt sind Abkömmlinge, Ehegatten und eingetragene Lebenspartner sowie die Eltern, wenn keine Abkömmlinge vorhanden sind (§ 2303 BGB). Der Pflichtteil ist ein Geldanspruch in Höhe der Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Beispiel: Ein enterbtes Kind, das gesetzlich die Hälfte geerbt hätte, kann ein Viertel des Nachlasswerts in Geld verlangen. Mehr dazu in unserem Beitrag Enterbung im Testament und Auswirkung auf den Pflichtteil.

Erbunwürdig ist nach § 2339 BGB unter anderem, wer den Erblasser vorsätzlich und widerrechtlich getötet oder zu töten versucht hat, wer ihn an der Errichtung oder Aufhebung eines Testaments gehindert oder ihn durch arglistige Täuschung oder Drohung dazu bestimmt hat, sowie wer sich in Bezug auf ein Testament eines Urkundendelikts schuldig gemacht hat, etwa durch Fälschung oder Unterdrückung. Die Erbunwürdigkeit tritt nicht automatisch ein, sondern muss durch Anfechtungsklage geltend gemacht werden.

Sonderfälle: Adoption, Lebenspartnerschaft, Vermächtnis

Adoption: Ein als Minderjähriger adoptiertes Kind ist einem leiblichen Kind voll gleichgestellt; die Verwandtschaft zur Herkunftsfamilie und damit das gesetzliche Erbrecht dort erlöschen grundsätzlich. Bei der Adoption eines Volljährigen bleiben die Verwandtschaftsverhältnisse zur Herkunftsfamilie dagegen in der Regel bestehen. Erbrechtlich tritt nur das Verhältnis zum Annehmenden selbst hinzu, nicht zu dessen Verwandten (§ 1770 Abs. 1 BGB): Der Adoptierte erbt also vom Adoptivelternteil, nicht aber von Adoptivgroßeltern oder Adoptivgeschwistern – es sei denn, das Familiengericht hat ausnahmsweise eine Volladoption nach § 1772 BGB ausgesprochen. Steuerlich gilt auch der volljährig Adoptierte als Kind in Steuerklasse I mit 400.000 Euro Freibetrag. Hintergründe finden Sie im Beitrag Erwachsenenadoption: Erbrecht als Nebenmotiv.

Eingetragene Lebenspartnerschaft: Eingetragene Lebenspartner sind erbrechtlich wie Ehegatten gestellt (§ 10 LPartG) und erhalten auch erbschaftsteuerlich dieselben Freibeträge.

Vermächtnis und Teilungsanordnung: Ein Testament kann einzelnen Personen bestimmte Gegenstände zuwenden, ohne sie zu Erben zu machen (Vermächtnis, § 1939 BGB). Setzt es keine Erben ein, bleibt es im Übrigen bei der gesetzlichen Erbfolge. Mit einer Teilungsanordnung (§ 2048 BGB) kann der Erblasser zudem festlegen, wie die Erben den Nachlass aufteilen sollen – etwa ein Kind das Haus, das andere das Wertpapierdepot.

Nächste Schritte: Erbengemeinschaft und Erbschein

Gibt es nach der gesetzlichen Erbfolge mehrere Erben, bilden sie automatisch eine Erbengemeinschaft (§ 2032 BGB). Ihnen gehört der Nachlass gemeinsam, nicht jedem ein Bruchteil an jedem einzelnen Gegenstand. Über Konten, Immobilien und Wertpapiere können sie grundsätzlich nur gemeinsam verfügen. Jeder Miterbe kann jederzeit die Auseinandersetzung verlangen (§ 2042 BGB). Wie das in der Praxis abläuft, erläutern unsere Beiträge Die Regeln der Erbengemeinschaft, Die Auflösung der Erbengemeinschaft und Als Erbengemeinschaft ein Haus erben.

Ohne Testament können gesetzliche Erben ihr Erbrecht meist nur mit einem Erbschein nachweisen (§ 2353 BGB). Banken dürfen ihn allerdings nicht in jedem Fall verlangen, wenn das Erbrecht auf andere Weise eindeutig belegt ist (BGH, Urteil vom 5. April 2016, XI ZR 440/15). Zuständig ist das Nachlassgericht am letzten gewöhnlichen Aufenthalt des Erblassers (§ 343 Abs. 1 FamFG) – für Erblasser mit letztem gewöhnlichem Aufenthalt in München das Amtsgericht München. Für die Berichtigung des Grundbuchs bei geerbten Immobilien ist er in der Regel erforderlich.

Diese Schritte sind nach dem Erbfall typischerweise zu prüfen:

  1. Erben und Erbquoten nach der gesetzlichen Erbfolge feststellen, Güterstand klären.
  2. Über Annahme oder Ausschlagung entscheiden; die Ausschlagungsfrist beträgt sechs Wochen ab Kenntnis vom Anfall der Erbschaft und vom Grund der Berufung, also davon, dass man gesetzlicher Erbe geworden ist (§ 1944 Abs. 2 BGB); hatte der Erblasser seinen letzten Wohnsitz nur im Ausland oder hält sich der Erbe bei Fristbeginn im Ausland auf, sind es sechs Monate (§ 1944 Abs. 3 BGB).
  3. Erbschein beim Nachlassgericht beantragen.
  4. Den Erwerb innerhalb von drei Monaten dem Finanzamt anzeigen (§ 30 ErbStG) – grundsätzlich auch dann, wenn er unter dem Freibetrag liegt. Da kein Testament eröffnet wurde, greift die Ausnahme des § 30 Abs. 3 ErbStG bei gesetzlicher Erbfolge nicht; die Erbschaftsteuererklärung wird nach Aufforderung abgegeben.
  5. Nachlass in der Erbengemeinschaft verwalten und auseinandersetzen.

Wer verhindern möchte, dass die gesetzliche Erbfolge greift – etwa um einen Lebensgefährten abzusichern oder eine Erbengemeinschaft zu vermeiden –, sollte rechtzeitig ein Testament errichten. Hinweise dazu enthält unser Beitrag Was ist wichtig beim Verfassen des letzten Willens? Bei der steuerlichen Seite von Erbfall und Nachfolgeplanung unterstützen wir Sie im Bereich Erben & Schenken.

Häufige Fragen

Wer erbt ohne Testament?

Ohne Testament gilt die gesetzliche Erbfolge nach den §§ 1924 bis 1936 BGB. Zuerst erben die Kinder und Enkel. Gibt es keine, erben die Eltern und Geschwister, danach die Großeltern und ihre Abkömmlinge. Daneben erbt der Ehegatte nach § 1931 BGB. Gibt es keine Verwandten und keinen Ehegatten, erbt das Bundesland des letzten Wohnsitzes.

Wie viel erbt der Ehegatte neben den Kindern?

In der Zugewinngemeinschaft erbt der Ehegatte neben Kindern die Hälfte: ein Viertel nach § 1931 Abs. 1 BGB plus ein pauschales Viertel nach § 1371 Abs. 1 BGB. Bei Gütertrennung erbt er neben einem Kind die Hälfte, neben zwei Kindern ein Drittel und ab drei Kindern ein Viertel.

Erben die Eltern mit, wenn ein verheirateter Mensch ohne Kinder stirbt?

Ja. Leben Eltern oder Geschwister des Verstorbenen, erben sie neben dem Ehegatten. In der Zugewinngemeinschaft erhält der Ehegatte drei Viertel, die Erben der zweiten Ordnung teilen sich das übrige Viertel. Allein erbt der Ehegatte nur, wenn es weder Verwandte der ersten oder zweiten Ordnung noch Großeltern gibt (§ 1931 Abs. 2 BGB).

Hat ein unverheirateter Lebensgefährte ein gesetzliches Erbrecht?

Nein. Partner einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft erben ohne Testament oder Erbvertrag nichts und haben auch keinen Pflichtteil. Auch wenn sie durch Testament bedacht werden, gilt für sie Steuerklasse III mit einem Freibetrag von nur 20.000 Euro.

Muss man bei gesetzlicher Erbfolge Erbschaftsteuer zahlen?

Nur soweit der Erwerb den persönlichen Freibetrag nach § 16 ErbStG übersteigt. Ehegatten haben 500.000 Euro Freibetrag, Kinder 400.000 Euro, Enkel 200.000 Euro bzw. 400.000 Euro, wenn der betreffende Elternteil vorverstorben ist, und Geschwister 20.000 Euro. Bei Ehegatten in Zugewinngemeinschaft bleibt außerdem die fiktive Zugewinnausgleichsforderung nach § 5 Abs. 1 ErbStG steuerfrei.

Rechtsgrundlagen und Quellen

Rechtsstand: November 2026. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle steuerliche Beratung.

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